Antidepressiva: Eine Gefahr für die männliche Libido?

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Medikamente, insbesondere Antidepressiva, stehen im Verdacht, die männliche Libido zu beeinträchtigen? Stimmt das? Und was kann man(n) dagegen tun?

Wirken sich Antidepressiva tatsächlich auf die männliche Libido aus?

Ja – und zwar öfter, als man(n) denkt. 2011 veröffentlichte die Ärztezeitung online einen Bericht, in dem laut einer Befragung davon auszugehen sei, dass knapp 60 Prozent der antidepressiva-einnehmenden Männer von sexuellen Beeinträchtigungen betroffen sein könnten. Zum Vergleich dazu stehen die Werte – alle deutschen Männer zusammengerechnet – bei etwa 20 Prozent.

Wie das kommt? Der größte Teil der verschreibungspflichtigen Antidepressiva zählt zu den SSRI.

Diese sind also selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Durch eine kontinuierliche Einnahme steigt auch der Serotonin-Spiegel an – und mit ihm ein entspannt-beruhigendes Gefühl.
Der Haken daran: Zuviel Entspannung verträgt sich nicht mit den Sexualhormonen. Sie werden quasi ebenfalls ruhig gestellt, die Erregung im Gehirn nicht weiterverarbeitet. Das Ergebnis: Eine abnehmende, teilweise komplett zum Erliegen gekommene männliche Libido. Und daran geknüpft eine sich wiederum verstärkende sexuelle Unzufriedenheit.

Wie sehen weitere mögliche Folgen aus?

Nicht nur Männer, auch Frauen sind von den ungünstigen Nebenwirkungen dieser Medikamente betroffen. Nebenwirkungen, die sich beide Geschlechter „teilen“ sind unter anderem

  • Schwindel und Übelkeit,
  • allgemeine Antriebslosigkeit und
  • Gewichtszunahmen.

Dementsprechend kann auch eine als unattraktiv empfundene Gewichtszunahme der männlichen Libido einen Schlag in die Magengrube versetzen. Fühlt man(n) sich mit seinem eigenen Gewicht unwohl, stellen ein maßgeschneidertes Fitnessprogramm einen ersten Weg aus der Krise dar. Zusätzlicher Pluspunkt: Eine höhere Grundfitness fördert gleichzeitig die Testosteron-Bildung – und macht damit fast von alleine mehr Lust auf Sex.

Welche Medikamente stehen im Verdacht, einen Libidoabfall zu verursachen?

Zu den Antidepressiva, die für einen Libidoverlust sorgen könnten, gehören unter anderem folgende Wirkstoffe:

Citalopram Duloxetin Escitalopram Fluoxetin Paroxetin und Sertralin.

Welche Wirkstoffe sich in welchem Medikament aber wie genau auf den einzelnen Patienten auswirken, können nur der behandelnde Arzt und Apotheker feststellen.
Von daher ist ein aufrichtiges und offenes Gespräch mit beiden oder zumindest einem der beiden immer die beste Wahl, wenn man das Gefühl hat, dass die Medikamenteneinnahme die Libido zu sehr beeinträchtigt.

Wie lassen sich Antidepressiva und männliche Libido besser miteinander vereinen?

Die Dosierung verändern

Durch Untersuchungen und Studien ist inzwischen klar geworden, dass Antidepressiva in nahezu keinem Fall positiv zur Erhaltung, geschweige denn zum Aufbau der Libido des Mannes beitragen. Nicht einmal in kleineren Mengen. Dennoch ist unbestritten, dass eine hohe Menge auch den höheren Schaden anrichtet. Somit lohnt sich eine regelmäßige medizinische Absprache und langsame Anpassung der Dosis durch den behandelnden Arzt. Denn je kleiner die Antidepressiva-Menge, mit der der Patient gut zurecht kommt, desto besser für das Lustempfinden.

Medikamente zu einem anderen Zeitpunkt einnehmen

Zuweilen ist nicht nur das „Wieviel?“, sondern auch das „Wann?“ von entscheidender Bedeutung. Grundsätzlich sollte man(n) sich natürlich an seinen Antidepressiva-Einnahmeplan und damit verbundene Zeiten handeln. Nichtsdestotrotz spricht nach Rücksprache mit dem Arzt oft nichts dagegen, erst Sex zu haben und dann die Medikamente einzunehmen. Auf diese Weise bleibt die Wirkung gesichert. Gleichzeitig profitieren Männer dennoch davon, dass die Auswirkungen auf das Erleben im konkreten Moment der Lust (noch) nicht allzu groß ausfallen.

Die Antidepressiva wechseln oder ergänzen

Falls veränderte Dosierungen oder ebensolche Zeiten nichts bewirken, stellt eine Medikamentenumstellung unter Umständen eine Alternative dar. Entsprechende Vorgänge sollten aber immer zunächst mit dem Arzt besprochen und keinesfalls eigenmächtig vorgenommen werden.
Dabei kommt es vor, dass ein Antidepressivum ausgetauscht, oder mit einem anderen Medikament gekoppelt wird. So können beispielsweise Medikamente, welche alleine gegen Erektionsstörungen wirken, in Kombination mit Antidepressiva aber auch dazu beitragen, dass eine Erektion länger anhält.

Last, but not least: Sich in Geduld üben

Eine Medikamentenumstellung macht sich häufig nicht über Nacht bemerkbar. Gerade dann nicht, wenn sie über einen längeren Zeitraum und besonders schonend erfolgen soll. Dementsprechend wird sich auch die männliche Libido in aller Regel nicht innerhalb von wenigen Tagen von 0 auf 100 steigern.
Wie beim Training zur Penisvergrößerung sind also auch hierbei Geduld, ein Einhalten des verabredeten Plans und eine genaue Beobachtung des eigenen Körpers gefragt. Dafür fühlen sich positive Ergebnisse hinterher umso besser an …

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Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/645919/strategien-wenn-psychopharmaka-liebesleben-beeintraechtigen.html

https://www.healthline.com/health/erectile-dysfunction/antidepressant-sexual-side-effects

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